Nichts für schwache Nerven: Matetee aus der Studentenküche
Der Standard
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Ausgabe 26.5.2011
Nichts für schwache Nerven: Matetee aus der Studentenküche
Falschparken kostete sie mehr Geld als Marketing, die ersten Importe aus Südamerika verrotteten. Michael Wihan und Jan Karlsson brachten ihren Tee dennoch unter die Leute. Der Break-even war schon einmal da.
Wie oft sie in letzter Sekunde finanziell die Kurve kratzten, haben sie aufgehört zu zählen. Den Hut drauf warfen sie dennoch nie, und schön langsam wird aus zwei postmodernen Hippies ein Unternehmerduo: Der eine ist, Jan Karlsson der andere Michael Wihan. Einer studierte Industriewirtschaft, der andere Internettechnik. Was die zwei seit Jahren verbindet, ist anregender argentinischer Matetee. Exzessiv hätten sie ihn stets getrunken, nicht verstehend, warum das Gebräu nie den Weg nach Europa gefunden hatte, erzählt Wihan. Also machten sie sich in der Küche ihres Studentenheims ans Tüfteln, orderten aus Südamerika 800 Kilo Mate, der ob der überzogenen Menge zu verroten drohte und sein Ende als Biodünger fand. Fünf Jahre währte die Produktentwicklung. Immer wieder änderten sie angesichts vieler Zweifler die Rezeptur. Mittlerweile sind sie damit damit quer durch Österreich in Gastronomie und Bioläden vertreten. Der Sprung nach Berlin gelang. Sie wollten von Anfang an alles richtig machen, bio und fair vom Rohstoff bis zur Logistik, egal wie viel Nullen sich bei den Ausgaben summierten. Hoch gesteckt waren die Umsatzpläne, alles schien einfach und unkompliziert. “Zu rechnen haben wir später begonnen – und festgestellt, dass alles ein bisschen komplexer ist als gedacht.” Beim Ansuchen um zinsenfreie Kredite am Förderzentrum in Leoben waren sie mit ihrem 60-seitigen Finanzplan zwischen all den Industrieprojekten die bunten Vögel. “Es war knapp, aber wir wurden als fördertauglich befunden.” Mit Ende des Studiums gründeten sie Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Sie nahmen einen Kredit auf , fanden im Kärntner Betrieb Apo Fruchtsäfte einen Abfüller und klopften auch bei Red Bull und Rauch an. Zwei Sitzengen habe ersterer wegen dem Mate absolviert, freut sich Karlsson, geworden ist nichts aus der Kooperation. “Macht aber nichts. Wir haben dafür jetzt die totale Freiheit.” Den ersten Eistee unter Marke MAKAvA brachten sie bei einem Festival in Wien unters Volk. Zuvor hatte die ganze Familie Etiketten geklebt, erinnert sich Wihan. Mehr verschenkt als verkauft habe man damals und am meisten selber getrunken. Sie schmissen Partys, um dort Lust auf den von Natur aus bitteren Mate zu machen, schleppten Kisten zu Fuß zu Grazer Szenebeiseln. Erst große Investition: ein alter VW-Bus zum Ausliefern. Karlsson: “Wir gaben mehr für Strafzettel wegen Falschparkens aus als für Marketing.”
Ihr Eistee ist biozertifiziert, eingekauft wird Mate bei einer argentinischen Kooperative. Bei Zucker stiegen sie auf Bioware aus Österreich um, weswegen sie ihr Fairtrade Siegel verloren, da auch der Produzent Agrana es nicht besitzt. Dosen und Plastik sind tabu.
Rauschpfeffer aus Hawaii
Lehrgeld zahlten die Jungs immer wieder. Etwa als sie hawaiianschien Rauschpfeffer importierten. Der wurde apothekenpflichtig, die Pakete blieben beim Zoll hängen, der Pfeffer wurde aus der Rezeptur verbannt, “so viel verlorenes Geld”, seufzt Wihan. Auch von ihrer Idee, ein Modelabel zu kreieren und weitere Mateprodukte zu vertreiben, kamen sie ab. Die ließen sich nämlich nur in mühevoller Kleinarbeit verkaufen, nach wie vor gibt es was davon. Karlsson sieht darin klassische Anfängerfehler: Alles zugleich spiele es nicht. “Fokussieren, fokussieren.” An die 400.000 Flaschen in 420 Outlets verkaufen die beiden nach eigenen Angaben derzeit im Jahr, heuer soll der Absatz um 40 bis 70 Prozent steigen. Ziel ist der Schritt in die Schweiz und nach Italien. Der Break-even sei schon einmal da gewesen, nach Investitionen war er dann wieder weg, heuer sei er aber ziemlich fix, sagt Wihan und lacht. Viele Leute um sie herum hätten schon vor Jahren gedacht, sie seien Millionäre. 30 Jahre alt sind er und Karlsson mittlerweile. Richtig gekracht haben soll es bei den Geschäftspartnern trotz aller finanziellen Drahtseilakte bisher noch nicht. “Wir sind halt beide Pazifisten”
Verena Kainrath






